Cinéclub

Duel, réalisé par Steven Spielberg

Duel, réalisé par Steven Spielberg

Duel, réalisé par Steven Spielberg, USA, 1971

Mardi 30 mars, 16h10, Aula

 

Duel est le deuxième long-métrage de Steven Spielberg conçu à l’origine pour la télévision. Ce film est sorti en 1971 à la télévision puis en 1972 au cinéma. La carrière de Steven Spielberg, alors âgé de 25 ans, prendra un énorme essor grâce à ce film.

Dans ce film, on suit la mésaventure qu’un représentant en informatique, David Mann, rencontre sur son trajet à travers les routes du désert de Californie. Durant tout son trajet, celui-ci sera pourchassé par un vieux camion-citerne qui semble vouloir lui faire la peau. On ne sait rien de ses motivations ni même de la personne qui le conduit mais celui-ci le poursuit sans jamais s’arrêter. Il s’ensuit alors une course poursuite à travers les routes désertiques d’Amérique entre un camion fou et David Mann qui tente désespérément de se sauver.

Par ce film, Steven Spielberg lance sa carrière cinématographique en jouant merveilleusement sur le suspense que procure le film. Encore aujourd’hui, ce film à petit budget est considéré comme l’un des chefs-d’œuvre de Steven Spielberg.

Pour le ciné-club, Léonard Gavillet, 4F4

Einen alternativen Trailer des Films finden Sie hier, mit : https://www.youtube.com/watch?v=H1805MiJUfs

Fitzcarraldo, Werner Herzog, DEU, 1982, Df

Fitzcarraldo, Werner Herzog, DEU, 1982, Df

Dienstag 2. März, 16h10, Aula

In wenigen Worten

Zu Beginn des 20. Jahrhunderts träumte Brian Sweeney Fitzgerald, besser bekannt als Fitzcarraldo, davon, in Iquitos, dem Herzen des Amazonas, das größte Opernhaus der Welt zu bauen. Um das Geld für sein Projekt zu bekommen, kaufte er eine Kautschukkonzession entlang des Uycali- Flusses, der wegen heftiger Stromschnellen als unzugänglich galt. Um seine Konzession zu erreichen, wählte Fitzcarraldo den Weg über den Fluss Pachitea, der nur durch einen Berg vom Uycali getrennt war.

Darüberhinaus

Fitzcarraldo ist einer jener Filme, in denen der Filminhalt mit dem Verfilmungsprozess zu verschmelzen scheint. Eine neue Zusammenarbeit von Regisseur Werner Herzog und Schauspieler Klaus Kinski läutete das Schlimmste ein. Zwischen den exzessiven Ambitionen des Ersteren und der psychischen Instabilität des Letzteren, zu denen noch ein Set im lebensfeindlichen peruanischen Amazonasgebiet hinzukam, wurde tatsächlich alles zusammengetragen, um die berühmtesten «Intimfeinde» des Kinos zum Schauplatz einer Legende zu machen, die wahrscheinlich berühmter ist als der Film selbst.

Seit Aguirre, der Zorn Gottes arbeiten Herzog und Kinski aus unterschiedlichen Überzeugungen daran, ein Werk zu schaffen, in dem das Kino zu einer kontinuierlichen, verwirrten und ungezügelten Erfahrung wird. So scheint bei Herzog und Kinski alles sehr ernst genommen werden zu müssen, alles ist exzessiver Einsatz von Körpern, von Mitteln, alles ist oft chaotisch, von der ersten Präsentation des Drehbuchs bis zu den Pressekonferenzen. Die Begriffe «Beruf» oder «Arbeit» scheinen in ihrer Beziehung dem des Abenteuers zu weichen, der unermüdlich nach einem verborgenen «Schatz» sucht. Man kann sich deshalb gut vorstellen, dass Herzog und Kinski, wenn

sie den Auftrag bekämen, eine Torte am Geburtstag eines gemeinsamen Freundes anzuschneiden, dies mit der gleichen Intensität tun würden; mit der Machete in der Hand, mit der gleichen ernsten Wut und wenn möglich unter übermäßig gefährlichen Bedingungen.

In Eroberung des Nutzlosen und Mein liebster Feind blickt Herzog auf einige Ereignisse am Set von Fitzcarraldo zurück, in denen sich die ambivalenten Kräfte, die seine Arbeit als Filmemacher und seine Zusammenarbeit mit Klaus Kinski durchzogen, in kreativer wie auch destruktiver Weise auf Kollisionskurs befinden. Wir entdecken unter anderem die Selbstamputation eines von einer Schlange gebissenen Mitarbeiters mit einer Kettensäge, zwei Flugzeugabstürze, die dem Team ernste Versorgungsprobleme bescherten, einen Krieg zwischen Peru und Ecuador, Kinskis Launen, der nach Mineralwasser verlangte, um mitten im Dschungel zu duschen, und vor allem seine schon damals berühmten Wutausbrüche. Diese waren zum Teil so heftig, dass die für die Dreharbeiten angeheuerten Machiguengas-Indianer dem Regisseur vorgeschlagen hätten, ihn kostenlos zu töten... und natürlich darf nicht vergessen werden, dass für das Szenario ein 300- Tonnen-Dampfer über einen Berg bewegt werden musste.

Diese berühmten Anekdoten rund um den Dreh sind ebenso real wie fiktiv und verschmelzen zu dem, was Herzog ganz explizit «ein Prosawerk, einen Traum oder ein Fieberwahn» nannte. Eroberung des Nutzlosen oder Mein liebster Feind sind also mehr als ein Filmtagebuch. Es ist die literarische Umsetzung einer fast halluzinatorischen Erfahrung, die zwischen Wahrheit, Wahnsinn und Fantasie hin und her balanciert und sich schließlich in einem ebenso größenwahnsinnigen Endwerk manifestiert. Manche behaupten, Fitzcarraldo wäre eine leere Hülle, ein Film, der «nur die verglasten oder weichen Überreste eines verrückten Projekts [und] heroischer Dreharbeiten» zeigt. Und was wäre, wenn die Schönheit dieses Werkes nicht gerade im Gefühl der Unvollständigkeit, der Lyrik und des epischen Verfalls läge, das es bei seiner Vorführung hervorruft?

Hier geht's zum Trailer

Hauru no Ugoku Shiro, von Hayao Miyazaki, JPN, 2004, J/d/f

Hauru no Ugoku Shiro, von Hayao Miyazaki, JPN, 2004, J/d/f

Dienstag den 19. Januar, 16:10, Aula

In einigen Worten:

In einer wundersamen Welt, in der Magie und Steampunk-Technologie aufeinandertreffen, lebt eine junge Hutmacherin. Als sie von der bösen Hexe der Länder verflucht wird, findet sie Zuflucht in der reisenden Burg des Zauberers Hauru.

Darüberhinaus:

Seit zwei Jahrzehnten ist der Name des Regisseurs Hayao Miyazaki und das von ihm mitbegründete Studio Ghibli dem internationalen Publikum vertraut. Das kleine aber feine Studio Ghibli fungiert in vielen Köpfen als notwendiges Gegengewicht zu Disney.

Der Name Ghibli rührt von einem italienischen Aufklärungsflugzeug mit dem Namen Caproni Ca. 309 Ghibli her, welches in den dreissiger Jahren dazu benutzt wurde, um neues Terrain auszukundschaften. Der Ruf von Studio Ghibli wird dadurch jedoch nicht überschattet, denn der Name ist in der Animationsszene heutzutage Programm.

Für Miyazaki, den Meister der Animation, geht es bei jedem Film um den Preis von Knochenarbeit und ständiger Qual. Darum, die Grenzen des bisher Erreichten auszuloten, darum, Projekte auf seinen Schultern zu tragen, die den Willen, niemals aufzugeben, widerspiegeln. So weigert sich Miyazaki stets, irgendetwas dem Zufall

zu überlassen, oder Arbeit zu delegieren. Sein Ziel ist es, mit jedem weiteren Film unter seiner Leitung neue Sphären zu durchdringen.

Die Aufgabe der Animation ist Fluch und Segen zugleich: Der Perfektionismus Miyazakis verleitet ihn stets dazu, seinen Ruhestand hinauszuzögern, um bei Projekten die federführende Hand zu behalten. Für den Zuschauer/die Zuschauerin ist es jedoch stets gewinnbringend, wenn man sieht, wie er die Heldin eines anderen Studioprojekts mit ein paar Nachbesserungen belebt und dem Film damit zum Durchbruch verhilft.

Man kann sich nur zu gut vorstellen, wie Miyazaki nach einem intensiven Arbeitstag zu jammern beginnt: "Was für eine Plackerei! Was für eine lästige Pflicht!", während er die Arbeit seiner Animatoren Bild für Bild durchgeht oder sich vor einem Storyboard, das sich ihm widersetzt, selbst die Haare ausreißt. Und gleichzeitig lässt er verlauten, dass “das Wichtigste im Leben die Pflichten sind und dass, wenn sie aus unserem Leben verschwinden würden, wir sie uns zurückwünschen möchten.”

Miyazaki ist zweifellos das Herz des Ghibli-Studios und damit dessen Stärke, aber auch dessen Schwäche. Denn ohne ihn ist zu befürchten, dass das Studio nach einer Weile des Taumelns zusammenbricht und eine Spur aus Ziegelsteinen, Zigaretten, Aquarellen und Papier hinterlässt.

Diana Wynne Jones, die britische Autorin von "Howl's Moving Castle", ist dem französischsprachigen Publikum trotz einer gefeierten literarischen Karriere in der Fantasy-Welt wiederum kaum bekannt. Trotz einer sehr freien Adaption ihres Werkes durch Miyazaki, schätzte sie Hauru no Ugoku Shiro sehr, das sie als "wunderbar, reich und seltsam, bewundernswert animiert" beschreibt. Entgegen ihrer Leserschaft, welche von den vielen Freiheiten, die sich Miyazaki bei der Umschreibung des Romans genommen hat, furchtbar enttäuscht war, hat sich Diana Wynne Jones mit der Ghibli-Version angefreundet.

Was ist es denn, das die Leser von “Howl’s Moving Castle” so aufgeregt hat? Miyazaki hat das Schloss nämlich tatsächlich mit seinen eigenen Dämonen bewohnt. Er fächerte die Glut eines vom Autorin einfach heraufbeschworenen Krieges an, um ihn allgegenwärtig zu machen, indem er die Gewässer mit Kriegsschiffen und den Himmel mit den ihm so wichtigen Flugmaschinen auflud. Er veränderte die Züge der Gestalt von Hauru, um ihn zu einem erbitterten Kriegsgegner statt zu einem reuelosen und eitlen Verführer zu machen. Gleichzeitig löscht er die im Buch vorhandenen Charakterzüge einer Drama- Queen teilweise aus. Schließlich ignorierte er ganze Abschnitte der ursprünglichen Handlung, wie er es auch bei der Adaption seines eigenen Mangas für die Leinwand getan hatte.

Weit davon entfernt, sich davon beleidigt zu fühlen, merkt die Autorin an, dass "man den Film genauso schätzen muss wie das Buch, da beide ein wenig anders sind, aber voll von fabelhaften Dingen." Dies ist zweifellos durch die Tatsache bedingt, dass sowohl Miyazaki wie auch Diana Wynne Jones einen radikal anderen Ansatz zum Schreiben haben. Miyazaki arbeitet nämlich nicht nach einem Drehbuch, sondern nach Aquarellen, die seine Fantasie anregen. "Allzu logische Rahmen ersticken die Kreativität. Mein Ziel ist es, Konventionen zu brechen. Kinder verstehen. Sie funktionieren nicht logisch." Seien Sie also nicht überrascht, wenn die Handlung abrupt aufgelöst wird.

Beim Betrachten von Hauru no Ugoku Shiro geht es vielleicht darum, sich von der Fantasie mitreißen zu lassen und dem Beispiel dieser beiden anonymen Kindern zu folgen: ein Junge schlug Diana Wynne Jones in einer Schule einst vor, "es wäre zu schön, ein wanderndes Schloss in einer Geschichte zu haben". Ein anderes Mädchen sagte einst zu Miyazaki, als sie das Studio Ghibli besuchte: "Danke für das wandernde Schloss!"

Seien wir also wie Kinder, wenn wir in Miyazakis Vision eintauchen wollen!

 

Einen alternativen Trailer des Films, der unter der freundlichen Mitwirkung von Frau Nobile entstanden ist, finden Sie hier:  https://vimeo.com/495184095

Sorcerer, von William Friedkin, USA, 1977 VoStD

Sorcerer, von William Friedkin, USA, 1977 VoStD

Text leider nur auf Französisch dieses mal!

 

Mardi 17 novembre, 16h10, Aula

En quelques lignes :

Porvenir, trou infect au fin fond de l’Amérique latine, n’est plus qu’une prison pour les quatre hommes qui s’y sont réfugiés, chacun pour ses raisons. Afin de réunir assez d’argent pour en repartir, ils acceptent de convoyer sur des routes approximatives un chargement hautement explosif.

Et en un peu plus :

Baudelaire, qui n’a pas que des qualités, disait toutefois du commerce qu’il est par essence satanique, parce qu’il est le prêté-rendu, « le prêt avec le sous-entendu : Rends-moi plus que je ne te donne ». Peu de chose l’illustrent avec autant d’évidence que la lecture du box-office américain au fil des années. Deux tableaux valant mieux qu’un long discours, jetons un œil à celui de 1977 ainsi qu’à celui de l’année dernière, encore intouché par le COVID  (cf. PDF)

 

Indépendamment de la nostalgie passéiste pour laquelle, même en ce qui concerne les visites chez le dentiste, « C’était mieux avant », on peut relever deux faits. L’homme d’affaire avisé notera que les montants sont un peu plus conséquents aujourd’hui. Le cinéphile averti ne pourra pas s’empêcher de remarquer que pour un film prolongeant une franchise en 1977, on en trouve huit en 2019, auxquels s’ajoutent deux remakes.

Parcourez les box-offices des années précédentes, vous constaterez peut-être que cela illustre une tendance du cinéma moderne… entendons par là du cinéma tel qu’il est consommé, tel qu’il se vend... mais inévitablement aussi, l’argent restant le nerf de la guerre, tel qu’on le produit et donc tel qu’il se fait.

Quel rapport avec Sorcerer, direz-vous ?

D’une part, indépendamment de leur succès critique, les deux précédents films de son réalisateur, The French Connection et The Exorcist nichaient aux box-offices de 1971 et 1973 (respectivement en 3e et en 1ère position). Friedkin n’est donc pas un outsider, mais un réalisateur jusque-là bankable.

D’autre part, comme son titre francophone de Le convoi de la peur le laisse à penser, Sorcerer est le remake du Salaire de la peur d’Henri-Georges Clouzot.

Que dire donc, sinon du mal, de ce remake qui fut un échec critique et surtout commercial ? De ce remake abandonné progressivement par les stars qui avaient été pressenties par Friedkin pour incarner ses personnages, Steve McQueen, parce que le réalisateur refusait d’y faire de la place pour son épouse, Lino Ventura, parce que le retrait de McQueen l’inquiétait, Marcello Mastroianni parce qu’il avait à faire juridiquement à l’époque, Robert Mitchum parce que, quitte à tomber d’un camion, il préférait le faire chez lui plutôt qu’en Equateur ? De ce remake aux ambitions démesurées, au tournage chaotique et dispendieux, grand pourvoyeur de paludisme et de gangrène ?

On peut en dire qu’il s’oppose à la majorité des remakes et des reboots modernes qui nous cuit et recuit à partir de chaque franchise le même plat insipide pour faire le beurre des producteurs. Sorcerer, à défaut d’être un bon investissement, refond et prolonge avec audace l’œuvre qu’il revisite, la réinvestissant de nouvelles valeurs. Son intrigue devient pour Friedkin une métaphore d’un monde malade, dont le long prologue nous offre quelques aperçus, avant de le condenser dans cet infâme clapier ironiquement appelé Porvenir auquel il n’existe pas d’issue parce que tous les chemins finissent par y mener. Sorcerer n’est pas davantage un film facile, reposant sur des ficelles éprouvées, afin de plaire à coup sûr aux foules. Il tient davantage du pont de lianes fatigué, jeté au-dessus de flots tumultueux : on s’y engage sans être certain de voir l’autre côté. Car il dérange par sa narration distendue, sa galerie de sales types, son voyage hallucinatoire, sa conclusion pessimiste.

Sorcerer pourrait être vu comme une tentative de s’extirper d’un Porvenir cinématographique, dont chaque lendemain est une copie misérable de la veille.

 

Einen alternativen Trailer des Films finden Sie auch auf dem youtube des Cinéclubs: https://youtu.be/GjnAHG0aJ3A

 

 

Mad Max Fury Road, von George Miller

Mad Max Fury Road, von George Miller
  • AUS, 2015, Edf Donnerstag 1. Oktober, 16h10, Aula

Kurz gesagt:

Von einer schweren Vergangenheit heimgesucht, glaubt Mad Max (Tom Hardy), dass der beste Weg zu überleben der ist, allein zu sein. Er wird jedoch bald aus seiner Einsamkeit gerissen, als er von der Karawane der Furiosa (Charlize Theron) abgeholt wird, die in einem Ungetüm von einem Lastwagen eine Gruppe Rebellen durch die desolate Wüste führt. Sie fliehen nämlich aus der Zitadelle, in der der schreckliche Immortan Joe wütet, nachdem ihm etwas Unersetzliches geraubt wurde. Ausser sich vor Wut schickt dieser Kriegsherr seine Männer, um die Rebellen rücksichtslos zu jagen...

Darüberhinaus:

Aus der Ferne betrachtet, sieht Mad Max aus wie ein Männerfilm. Zwischen einem Filmplakat, auf dem Schlamm, Gewehre und Wüste gefeiert werden, und einem Trailer, auf dem V8 und andere verstärkte Motoren in einer beispiellosen Flut von Aktionen zu sehen sind, könnte George Millers letzter Film in der Tat als die Inkarnation des frauenfeindlichsten Hollywoods durchgehen: eine dem Männlichkeitskult gewidmete Filmkunst, die die Größe des Gewehrs oder des Autos feiert, währenddem die Frauen auf den Rang von Trophäen für Männer reduziert werden und nicht genau wissen, weshalb Männer Krieg führen... In Mad Max Fury Road taucht der wahre Mann tatsächlich direkt im Titel des Films auf; Max, einen verrückten Max, auf dem Road Trip des Grauens, wo die Leichen als Road Kill den Strassenrand säumen und der Horizont Freiheit verspricht, in einer Welt, die von Gewalt und motorisierten Konfrontationen geplagt ist.

Ja, Mad Max Fury Road scheint dies zu inszenieren.

Aber nicht nur das, oder vielleicht besser gesagt, nicht wirklich das.

Denn die eigentliche Hauptfigur des Films ist in der Tat Furiosa, und es ist in der Tat ihr Suchtrupp, welcher der von George Miller verfilmten Erzählung Bedeutung verleiht. Furiosa stammt aus einer matrilinearen Kultur, aus der sie herausgerissen wurde, um die rechte Hand des Patriarchen und Diktators Immortan Joe zu werden, eines Kriegsherrn, der seine Herrschaft auf dem Wassermonopol in einer von einer nuklearen Apokalypse verwüsteten Welt aufbaute. Furiosa wendet sich gegen ihren Führer, indem sie ihm das stiehlt, was er als kostbarstes Gut erachtet: fünf seiner vielen Frauen, von denen er sich einen “perfekten” Sohn erhofft. In diesem Zusammenhang ist die von Charlize Theron gespielte Figur keine Kopie des harten, männlichen Helden und trotzt allen Macho-Klischees von der “starken Frau”, deren einzige Qualität wäre... sich wie ein Mann zu verhalten. Furiosa lehnt die Herrschaft der Männer ab, ist solidarisch mit den Frauen, und ihre Schönheit wird in ihrer Unvollkommenheit gefeiert, ohne dass sie jemals thematisiert wird. Aber sie verkörpert auch und vor allem den Kampf gegen eine toxische und dekadente Männlichkeit, die von der Idee der männlichen Abstammung und dem Besitz von Frauenkörpern besessen ist, deren Herrschaft nicht nur auf sexueller Gewalt, sondern auch auf sozialen und ökologischen Strukturen beruht.

"We are not things! "schreit die Figur von Splendid in einem Slogan, den Furiosa in einem zutiefst politisierten Wutschrei aufgreifen könnte.

Was Max betrifft, der dem Film seinen Titel gibt, so ist er ein Mann in Ketten, der einen Maulkorb trägt, auf den herabgeblickt wird, von anderen Männern wie eine Ware behandelt wird und eine Stunde lang keinen Namen hat. Es ist das Schicksal so vieler Frauen, im Film und im Leben. Seine Präsenz wird allmählich zu der eines zweitrangigen, grundlegenden, aber selbstvergessenen Charakters, der Furiosa Raum und Stimme überlässt.

Ist dies ein Film, der Männer stigmatisiert?

Nein, und zwar dank der Figur von Max; verrückt aber solidarisch, ein Mann ohne Ego, befreit von seinen Fesseln (die Fesseln des Gebotes der Männlichkeit? der Unterwerfung unter Moralvorstellungen, die der Idee der Männerherrschaft unterworfen sind?), auch dank der Figur von Nux, einem von Unsicherheiten und Widersprüchen durchdrungenen Jüngling, der nie aufhört, seine Unterwerfung unter die Autorität des Vaters in Frage zu stellen. Dank dieser wenigen "gerechten Männer", verloren in einer Welt von Männern, die - in jedem Sinne des Wortes - toxische Männer sind, schaffen die wenigen Ausnahmen eine Hoffnung auf die Möglichkeit von Adelphie (Verschwisterung), der Bedingung einer Menschheit wahrer Solidarität.

 

Einen alternativen Trailer des Films finden Sie auch auf dem youtube des Cinéclubs: https://www.youtube.com/watch?v=_Ef0YlTY2Cs&ab_channel=Fen%C3%AAtressurCour

PRÄSENTATION DER SAISON 2020-2021

« En voiture Simone ! »

« Le cinéma ne nous donne pas une image à laquelle il ajouterait le mouvement, il nous donne immédiatement une image-mouvement. » 

(Gilles Deleuze, Cinéma I : L’image-mouvement, 1983)

« En voiture Simone ! » Der Cinéclub Fenêtres sur cour lädt Sie während der Saison 2020-2021 dazu ein, mit gutem Gewissen Ihren CO2-Fußabdruck zu sprengen. Dazu brauchen Sie aber weder ein Luxusauto noch ein Abonnement des Magazins Turbo. Der Cinéclub nimmt Fahrt auf, indem er Sie auf eine kraftvolle, motorisierte Reise mitnimmt, die Sie ans Steuer von Diesellastwagen, Lokomotiven oder auf den Beifahrersitz eines größenwahnsinnigen Opernliebhabers stellt.

Zu Beginn unserer Reise besteigen wir post-apokalyptische Maschinen, die im Zickzack durch eine glühende Wüste rasen und mit jedem Gangwechsel die Abgaswolken aus ihren V8 ausspucken. Wir blicken dabei jedoch nicht auf eine fröhlich vor sich hin hupende Simone, sondern auf die einarmige Furiosa. Das Steuer fest in der einzigen Hand, den Bleifuss bis zum Anschlag aufs Gaspedal gedrückt – so nimmt sie uns auf eine abenteuerliche Verfolgungsjagd durch die Ödnis einer Welt in Trümmern. Ihr fehlender Arm ist dabei kein Handicap, sondern ein Zeichen für die zusätzliche Stärke, die man als Frau leider zeigen muss, um einem Mann in gewissen Situationen gleichgestellt zu sein – im Film wie im Leben.

In einem Lastwagen werden wir dann ins Herz eines phantasievollen Amazonasgebietes voller Gefahren reisen. Es erwarten uns dort ein paar Abtrünnige, die – unter Mitführung von reichlich Nitroglyzerin - nach Erlösung suchen. Dabei werden wir Zeuge des womöglich einzigen Suspension Films, der je gedreht wurde. Noch nie zuvor haben Achsen, Reifen und Karosserie eine größere Rolle in einem Film gespielt. Sie glauben uns nicht? Fragen Sie den Mechaniker Ihres Vertrauens!

Im Zug machen wir uns auf die Suche nach einer Liebe (und einem Zug), die in Richtung Osten unterwegs ist. Auf dem Weg werden wir 2.287 Meter Film mit Buster Keaton zurücklegen. In seiner Rolle geht Buster als badass in die Kinogeschichte ein, die einem Tom Hardy in nichts nachsteht und noch eine Prise Melancholie und Slapstick oben draufgelegt. Kein Wunder also gilt der Film als Werk des Weltkinoerbes, das sich nicht von zeitgenössischen Produktionen in Acht nehmen muss. Yes indeed, General.

In einem wandelnden Schloss, einer Steampunk-Variante der Karawane, die aus dem exzentrischen Geist des Genies Hayao Miyazaki entstand, durchqueren wir die traumhaften Landschaften eines zusammengewürfeltes Europas, welches das viktorianische England, das habsburgische Österreich und das Paris der Belle Époque vermischt. Als Katalysator von Phantasien und Träumen von atemberaubender Schönheit ist die Miyazakian-Maschine eine wahre Fabrik der Fiktion, die wir gerne mit Ihnen besuchen würden.

In einem Schiff werden wir mit dem legendären Klaus Kinski einem wahnsinnigen Traum nachjagen. Wenn Kinski das Ruder übernimmt, kann man als Zuschauer davon ausgehen, dass seine Darstellung Berge versetzt, um das verrückte Projekt nach seinem (Un-)Maß zu verwirklichen; schliesslich geht es hier um die Finanzierung einer Oper inmitten des Amazonas-Waldes. Noch einmal kehren wir an diesen wilden, magischen Ort zurück, der eine ungemein starke Anziehung auf grössenwahnsinnige Filmemacher hat.

In einer zum Fotoautomaten umgewandelten Karawane, werden wir schliesslich in Begleitung der Filmemacherin Agnès Varda und des Fotografen J.R. durch das ländliche Frankreich reisen. Auf einer Autoreise ohne Fokus auf Mechanik und Geschwindigkeit, werden wir dort Zeuge der Bewohner und feiern dabei ihre Blicke, ihre Gesichter und ihre Dörfer.

« En voiture, Simone ! », durch die Vielzahl an Fahrzeugen, die wie so viele Traum- oder Albtraum- (!) Maschinen dröhnen, bietet der Cinéclub Ihnen Gelegnheit, das Kino als das zu feiern, was es im Grunde ist: eine Kunst der Bewegung.

Ready for the ride ?

Für den Cinéclub,

Olivier Vonlanthen & Matthieu Troillet